Hinter
Stacheldraht
eine Krippe aus Seife
Wilhelm Küppers gestaltete sie im Gefangenenlager
Man
schrieb das Jahr 1945. Wilhelm Küppers war in amerikanischer Gefangenschaft,
wurde schon seit März in der Normandie festgehalten. Wenige Monate später
verlegte
man ihn in den Osten Frankreichs, nach Barle-Duc. Die Trennung von daheim,
von
Frau und Kinder überschattete das herannahende Weihnachtsfest, an eine
Heimkehr
war nicht zu denken.
Es
war in jener Zeit, als man ihn, den Maler, bat, eine Krippe zu zeichnen, ein
Zeichen
der Hoffnung für Ihn und seine Kameraden. Farbstifte und einige Hefte,
in denen er in
Wort und Bild Szenen seines alltäglichen Gefangenenlebens festhielt –
die Landschaft,
das Lager, Freunde und Vorgesetzte skizzierte – hatte Küppers retten
können, diese
waren ihm geblieben: Das Malen als Therapie des Überlebens; eine Beschäftigung,
die
Ablenkung schenkte, abstand zur Realität.
Wie
wollte er die Weihnachtskrippe gestalten? Hin und her wurde überlegt,
bis
schließlich eine waghalsige Idee entstand. Küppers, damals in der
Kleiderkammer
beschäftigt, erinnerte sich an eine große, dort deponierte Kiste
mit Kernseife – sie
schien ihm das rechte Material zu sein.
In
einem bizarren Gerüst aus Draht und gekneteter Seife konstruierte und
modellierte
er die Figuren: Maria, Josef, das in der Krippe liegende Christuskind und
zwei Hirten.
Aus altem, abgeschabtem Militärstoff fertigte er schlichte Kleider.
Mit
wenigen, karg beschränkten Mitteln, doch gläubiger Hingabe schuf
Wilhelm
Küppers ein weihnachtliches Bild, von Armut geprägt und Not. Diese
situationsge-
bundene Zurückführung, Einschränkung auf das Elementare macht
sein Werk so
eindrucksvoll, durch das sichtliche Entbehren wird die Krippe zum Denkmal:
die
ärmliche Geburt Jesu, welche Wärme ausstrahlt und Geborgenheit.

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1946
wurde Küppers aus der Gefangenschaft entlassen. Die Amerikaner, tief
be-
eindruckt von seiner Kunst, transportierten seine Krippe nach Düsseldorf.
Endlich
zu Hause, formte der Künstler die ihm so kostbaren Figuren in Gips ab
und fertigte Abgüsse davon. Die Originale wurden verbraucht – Seife
war in
Notzeiten knapp. Man war froh um jedes Stück, welches man für Wäsche
und
Bäder verwenden konnte. Übrig blieben Duplikate, einen dieser Nachgüsse
stiftete Wilhelm Küppers vor wenigen Jahren der Pfarre Heilig Geist.
(Textquelle: Neuss-Grevenbroicher Zeitung)